Todesmarsch von Häftlingen des KZ Neuengamme – Gedenkstein in Reinfeld
Pressemitteilung mit der Bitte um entsprechende Veröffentlichung
Anfang Mai 1945 führte der Todesmarsch von Häftlingen des KZ Neuengamme auf dem Wege nach Flensburg auch durch Reinfeld.
In Erinnerung daran möchte der Runde Tisch „Reinfelds Zukunft“ einen Gedenkstein errichten lassen. Er soll im Bereich der Bahnunterführung am „Hasenkrug“ stehen.
Da die Bahnstrecken teilweise zerstört waren, fand der Marsch großenteils zu Fuß statt.
Der vorgesehene Standort des Steins liegt mit ziemlicher Sicherheit an der historischen Strecke. Dort ist bei einer Erinnerungsveranstaltung im vergangenen Jahr bereits ein Provisorium in Form einer Hinweistafel aufgestellt worden.
Ob der Marsch anschließend weiter der B75 folgte oder unter der Bahnstrecke hindurch den Feldweg am Knick entlang führte, ist nicht belegt. Er endete jedenfalls zunächst auf dem Hof Dröhnhorst in Reinfeld. In Flensburg angekommen ist schließlich nur ein Teil der ursprünglichen Anzahl.
Eine historische Darstellung der Abläufe Anfang Mai 1945 wurde im vergangenen Jahr in einem Stormarn-weiten Arbeitskreis verfasst. Hierbei wirkten aus Reinfeld Peter Hieke und Rüdiger Hildebrandt mit.
Im Arolsen-Archiv, das im vergangenen Jahr mit einer mobilen Ausstellung in Reinfeld zu Gast war, finden sich weitere historische Quellen.
Anfang Mai 2025 hat eine beträchtliche Menschenschar im Gedenken an den Todesmarsch einen Fußmarsch entlang der B75 durch den Kreis Stormarn bis nach Reinfeld unternommen und dabei einen durchgehenden weißen Kreidestrich auf dem Rad- und Fußweg aufgebracht.
Am 2. Mai – Datum der Ankunft des historischen Marsches in Reinfeld – haben Mitglieder des Runden Tisches an der für die Aufstellung des Steins vorgesehenen Stelle die Marschteilnehmer empfangen und die letzte Wegstrecke bis zum Hof Dröhnhorst gemeinsam mit ihnen zurückgelegt. Auf dem Hof selbst gab es anschließend eine Versammlung mit 70 – 80 Teilnehmern, bei der über die Ereignisse von 1945 informiert wurde.
Die Tatsache, dass der Todesmarsch Anfang Mai 1945 auch durch Reinfeld führte, war bis vor wenigen Jahren in Vergessenheit geraten.
„Wir möchten mit dem Gedenkstein die Verbindung des historischen Ablaufes mit unserer Stadt dokumentieren und verdeutlichen, dass die Verbrechen jener Zeit nicht nur nicht an uns vorbeigingen, sondern buchstäblich durch die Mitte unseres Ortes hindurchführten.“ heißt es dazu vom Runden Tisch.
„Neben seiner Bedeutung als künstlerisches Werk, das man betrachten, deuten, interpretieren kann, hat ein Gedenkstein wie der geplante stets auch eine Funktion als Auslöser von weiterführenden Gedanken, liefert Anknüpfungspunkte zu anderen Zusammenhängen und unterstützt so die Verarbeitung und das In-Beziehung-Bringen verschiedener Stränge.“
Planerische Vorbereitungen sind bereits angelaufen.
Ein Förderantrag bei der „Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten“ ist eingereicht.
Die „Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn“ hat für das Projekt einen etwa 1,5 Tonnen schweren Findling zur Verfügung gestellt, der bei Arbeiten auf dem künftigen Gewerbegebiet an der Lokfelder Straße gefunden wurde.
Der Lokfelder Bildhauer Thomas Helbing hat bereits Ideen zur Umsetzung entwickelt. Er hat ebenfalls angeboten, mit Schülerinnen und Schülern der Reinfelder Schulen in Theorie und auch Praxis zusammenzuarbeiten, um sie an dem Projekt teilhaben zu lassen. Die Initiatoren wollen so sicherstellen, dass der Stein dauerhaft künftigen Schülergenerationen als Anstoßgeber dienen kann.
Die Straßen- und Tiefbaufirma TBA Bruns, die in der Ahrensböker Straße und am Radweg an der B75 arbeitet, hat den Findling zur Werkstatt des Bildhauers transportiert. Sie will auch helfen, den fertigen Gedenkstein am endgültigen Standort aufzustellen.
In den Stein eingearbeitet wird die Route, die der Zug genommen hat. Die Namen einiger Orte werden auf eingelassenen Bronzetafeln dargestellt.
Diese realistische Komponente soll das Denkmal selbsterklärend machen. Vertiefende Hinweise sollen durch separat angebrachte QR-Codes zugänglich gemacht werden.
Weitere Details werden sich möglicherweise während des Arbeitsprozesses ergeben.
Der Reinfelder Hauptausschuss wird sich am 5. März mit dem Thema beschäftigen. Der Runde Tisch hat beantragt, den Gedenkstein auf städtischer Fläche errichten zu dürfen und die Stadt gebeten, ihn anschließend in Eigentum und Pflege zu übernehmen. Bürgermeister Roald Wramp hat seine Unterstützung signalisiert.





Pressemitteilung Runder Tisch „Reinfelds Zukunft“ 13.2.2025
Zum „Podiumsgespräch mit Vertretern demokratischer Parteien zur Bundestagswahl am 23.2.2025“ hatte der Runde Tisch „Reinfelds Zukunft“ geladen, und etwa 80 Reinfelderinnen und Reinfelder kamen in die Mensa der KGS. Podiumsteilnehmer waren Bettina Hagedorn (SPD), Sebastian Schmidt (CDU), Gazi Freitag (Grüne), Tobias Maack (FDP) und Hendrik Holtz (Linke).
Als Moderatoren führten durch den Abend Eckhard Heidtke und Gerd Herrmann vom Runden Tisch sowie Reinfelds Bürgermeister Roald Wramp.
Dieser stellte in seinen einleitenden Worten kommunale Belange in den Vordergrund, z.B. die Überfrachtung der Kommunen mit Regularien und die „Gängelung“ durch zu viel Abhängigkeit von Förderungen.
Bettina Hagedorn (SPD) als einzige aktuelle Abgeordnete griff in ihren Ausführungen auf langjährige eigene Erfahrungen in der Kommunalpolitik zurück und warb für eine bessere Ausstattung und erweiterte Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunen. Hier werde entschieden über Schulen, Kitas, Straßen, Sportstätten, die wichtigen Dinge des Lebens. Erforderlich sei dafür aber vor allem eine bessere Abstimmung und Kooperation der Bundesländer.
Sebastian Schmidts (CDU) Credo war die Erholung und das Wachstum der Wirtschaft als Voraussetzung für das Wohlergehen aller. Damit würden auch Krankenkassen und das Gesundheitswesen wieder auf solide Grundlagen gestellt. Zur Finanzierung solle auch das Bürgergeld herangezogen werden.
Gazi Freitag (Grüne) berichtete aus eigenen Erfahrungen. Niemand sei gern und freiwillig Bürgergeld-Empfänger oder betrachte es gar als „bequeme Hängematte“. Eher würden es viele als eine Art Stigma betrachten.
Hendrik Holtz (Linke) betont die Notwendigkeit, Sozialpolitik ins Zentrum des Interesses zu rücken. Umwelt- und Klimafragen müssten mit ihnen verknüpft werden, damit nicht am Ende wieder die Schwächeren die größten Lasten dabei zu tragen hätten.
Tobias Maack (FDP) warf SPD und Grünen vor, den konstruktiven Vorschlägen seiner Partei zur Haushaltskonsolidierung und Wirtschaftsförderung nicht gefolgt zu sein und sieht hierin den Hauptgrund für die aktuelle Schieflage.
Gerd Herrmann vom Runden Tisch appellierte an die Teilnehmer des Podiums, vor allem die möglichen künftigen Abgeordneten unter ihnen, mit persönlichen Beiträgen die Gräben zuzuschütten, die bei den jüngsten Abstimmungen zum Thema „Migration“ zwischen den demokratischen Parteien entstanden sind.



91 Jahre nach diesem Tag zeigen jüngste politische Entwicklungen im rechten Parteienspektrum, dass unsere Demokratie wieder großen Gefahren ausgesetzt ist. Dagegen wollen wir auch in Reinfeld ein Zeichen setzen! Gemeinsam wollen wir zusammenstehen für eine demokratische Gesellschaft, bunte Vielfalt und ein respektvolles Miteinander. Denn „Nie wieder“ ist jetzt!
Wir laden Sie herzlich ein, gemeinsam mit uns, einem breiten Unterstützer:innen-Bündnis und vielen anderen Reinfelder:innen unsere Demokratie zu verteidigen.


